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18.12.2013

Bericht von der QuattroPole-Tagung "Über Grenzen hinweg - Teilnehmen und Teilhaben"

Rund 30 000 Menschen aus der Region Trier pendeln täglich nach Luxemburg zur Arbeit. Charakteristisch für diese Grenzgänger ist, dass sie verschiedenen Gesetzgebungen unterworfen sind – und dass sie wenig Freizeit haben. Ihre Möglichkeiten zur Teilnahme und Teilhabe am gesellschaftlichen und politischen Leben können sich daher sehr schwierig gestalten.

„Über Grenzen hinweg – Teilnehmen und Teilhaben“ ist der Titel eines neuen QuattroPole-Projekts unter Leitung des Trierer Beirats für Migration und Integration, das sich dem möglichen politischen oder sozialen Engagement von Grenzgängern befasst. Die Auftaktveranstaltung hat nun in der Europäischen Rechtsakademie (ERA) stattgefunden. Die Moderation hatte TV-Redakteur Dieter Lintz.

Unter den mehr als 50 Referenten und Besuchern, die die Beiratsvorsitzende Dr. Maria Duran Kremer begrüßen konnte,  waren Grenzgänger aus der ganzen Großregion. Sechs von ihnen sprachen über ihre Anstrengungen und Erfolge, Arbeit und persönliches Engagement unter einen Hut zu bekommen.

So sagte die Trierer Stadträtin Christiane Probst (FWG), die in Luxemburg arbeitet, ein gutes Zeitmanagement sei unerlässlich, zumal sie zuhause auch zwei ältere Menschen betreue. Glücklicherweise habe sie vor ein paar Jahren ihre Arbeitszeit um 10 Prozent reduzieren können. „Trotzdem ist es ein Problem, alles unter einen Hut zu bekommen. Man muss auf Dinge verzichten.“

Christoph Reh arbeitet ebenfalls in Luxemburg. Er lebt in Schweich. "Während meines Studiums in Trier war ich bereits ehrenamtlich tätig", berichtete er. Er engagiert sich in seiner Heimat beim Roten Kreuz - auch grenzüberschreitend -, der DLRG und spielt in Trier-Ehrang Theater. "Das kann man eigentlich nur als Single leisten", stellte er fest. Ein Problem sei der tägliche Stau.

Patrick Grotz ist Staatsbeamter in Luxemburg und lebt in Wincheringen. Dort durfte er den Gemeinderat wählen. "In Luxemburg müsste ich auch wählen, aber ich wurde gar nicht angeschrieben", berichtete er. Grotz hat sich in Deutschland und Luxemburg bereits in vielfältiger Weise engagiert, etwa in Sportvereinen. "Sobald man Kinder hat, ist weniger Zeit für sonstige Aktivitäten", stellte er fest.

Yacine Cherradi lebt in Metz im Viertel La-Grange-Aux-Bois, in dem viele ärmere Familien wohnen. Er ist dort Präsident eines Fußballvereins, zur Arbeit fährt er nach Luxemburg. „Ich bin meiner Heimat sehr verbunden, daher war es für mich klar, dass ich mich hier engagiere“, sagte er. Der Fußballclub sei für die Bewohner eine sehr gute Möglichkeit, ihre Freizeit sinnvoll zu verbringen und eine Gemeinschaft zu bilden. Sein Arbeitgeber, eine Bank, unterstütze das soziale Engagement der Mitarbeiter, etwa durch Sonderurlaub. 

Christian Scharff lebt in Belgien und arbeitet ebenfalls in Luxemburg. „Ich bin ein Kind der Großregion“, sagte er über sich. „Als meine Kinder kleiner waren, habe ich mich in Elternvereinigungen engagiert, nun bin ich in Luxemburg Vorsitzender eines Gremiums für soziale Verantwortung von Unternehmen.“ Zu den erfolgreichen Projekten zähle eine Buslinie in einer Industriezone mit 6000 Beschäftigten, eine Kita sei nun in Planung.

Selima Saadi ist Ortsvorsteherin in Metz, auch sie arbeitet in Luxemburg. "Seit meiner Universitätszeit engagiere ich mich für mein Viertel", sagte sie. Mit ihren Kollegen tausche sie sich über die ehrenamtlichen Tätigkeiten aus; "viele von ihnen engagieren sich auch irgendwo." Auch für Unicef sei sie tätig. "Ab 2002 habe ich nur 75 Prozent gearbeitet, um mich in einer Partei engagieren zu können", berichtete sie. Sich in Luxemburg ehrenamtlich zu betätigen, finde sie persönlich schwieriger als in der heimatlichen Region. "In unserer Gesellschaft haben wir alle einen Beirat zu leisten", resümierte sie. "Jeder sollte sich als Bürger wahrnehmen."

Der Trierer Jurist Prof. Dr. Gerhard Robbers erläuterte die rechtlichen Bedingungen, unter denen sich Grenzgänger politisch engagieren können, etwa durch Sozialwahlen oder in Parteien. Jean-Jacques Pierre vom Statistischen Institut in Lothringen präsentierte Zahlen und Fakten zu Grenzgängern. So seien sie vielfach zwischen 35 und 44 Jahren alt, männlich und gut ausgebildet. Gleichzeitig seien sie weniger von Teilzeit und Befristung betroffen als Einheimische in den verschiedenen Bereichen der Großregion. Laure Amoyel stellte eine Multiplikatorenschulung der luxemburgischen Integrationsbehörde OLAI zum Thema Wahlen vor.

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