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Geschichte

Die Mitglieder des Ausländerbeirats im Jahr 2000 (v.l.): Zeljko Brkiç, Mohamed Massad, Soraya Moket, Nazan-Deniz Cetin, Swetlana Rafalkes, Mario Dellacroce, In Ho Han, Dr. Maria Duran Kremer, Claudine Cornelius, Sergej Scherbenok, Vladimir Raskin
Die Mitglieder des Ausländerbeirats im Jahr 2000 (v.l.): Zeljko Brkiç, Mohamed Massad, Soraya Moket, Nazan-Deniz Cetin, Swetlana Rafalkes, Mario Dellacroce, In Ho Han, Dr. Maria Duran Kremer, Claudine Cornelius, Sergej Scherbenok, Vladimir Raskin
Durch die Novellierung der rheinland-pfälzischen Kommunalverfassung im Jahr 1994 wurde die Einrichtung von Ausländerbeiräten in den Kommunen von Rheinland-Pfalz mit mehr als 1000 ausländischen Einwohnern gesetzlich vorgeschrieben. Einzelheiten sind in § 56 der Gemeindeordnung von Rheinland-Pfalz geregelt. Die Gemeindeordnung gilt somit als erste Rechtsquelle für den Ausländerbeirat sowie für dessen Nachfolgegremium, den Beirat für Migration und Integration.

Mit dem Beschluss des Trierer Stadtrates über die "Satzung zur Einrichtung eines Ausländerbeirats" am 2. September 1995 wurde der Grundstein für den Ausländerbeirat in der Stadt Trier gelegt. Die erste Wahl der Mitglieder des Beirates wurde am 27. November 1994 durchgeführt.

Da die Beteiligung an der Wahl über den gesetzlich vorgeschriebenen 10 % lag, war die erforderliche demokratische Legitimation gegeben. Am 10. Januar fand die erste konstituierende Sitzung statt, in deren Verlauf die Vorsitzende , Frau Maria de Jesus dos Santos Duran Kremer aus der Liste der DIL und die stellvertretende Vorsitzende, Frau Jaqueline Warnecke aus der Liste UdM gewählt wurden. Damit nahm der Ausländerbeirat seine Tätigkeit auf.

Der Ausländerbeirat möchte mit seinen Maßnahmen den in Deutschland lebenden Ausländern Hilfe zur Selbsthilfe leisten, um im Schul- und Arbeitsbereich, im Umgang mit Behörden und auch gesellschaftlich besser zurecht zu kommen. Deshalb zielen die vom Ausländerbeirat durchgeführten Maßnahmen insbesondere auf die Verbesserung der deutschen Sprachkenntnisse als Voraussetzung für bessere Chancen ab.

Vor diesem Hintergrund wurden zunächst Maßnahmen für zwei besonders benachteiligte Gruppen, nämlich für ausländische Schulkinder und für ausländische Frauen konzipiert.

Ausländische Frauen sind oft in einer ähnlich schwierigen Situation. Häufig kommen sie ohne deutsche Sprachkenntnisse nach Deutschland, oft auch ohne Schulabschluss. Hinzu kommt die Tatsache, dass Frauen aus manchen Kulturkreisen insbesondere verheiratete Frauen nur Kontakt zu anderen Frauen haben dürfen. Dieser für sie wichtige Grundsatz verbietet es ihnen, an Sprachkursen teilzunehmen, die auch von Männern besucht werden. Von daher empfahl es sich, einen Sprachkurs zu organisieren, der nur Frauen zugänglich ist und von Frauen gehalten wird. Seit Jahren findet nun halbjährlich auf diesem Konzept basierend in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Trier Deutschkurse speziell für ausländische Frauen an der Volkshochschule Trier statt.

So nahm der Ausländerbeirat mit dem Schulamt und der Bezirksregierung Kontakt auf, um sich über das bestehende Angebot von Deutsch-Förderunterricht für ausländische Schulkinder zu informieren und Möglichkeiten für eine Förderung zu finden. Dank der Nikolaus-Koch-Stiftung und der Landesbeauftragten für Ausländerfragen konnten schon mehrfach Deutschkurse für ausländische Schulkinder angeboten werden.

Um die in Trier arbeitenden Organisationen, deren Arbeit sich ausschließlich oder zum größten Teil den Ausländern widmet kennenzulernen, lud der Ausländerbeirat schon zu seiner Sitzung am 17. März 1995 die meisten dieser Organisationen ein. Den Organisationen stellte sich der Ausländerbeirat als Ansprechpartner für Ausländer bei der Stadtverwaltung vor. Diese erste Kontaktaufnahme war auch notwendig, weil manche dieser Organisationen ein gewisses Misstrauen gegenüber der Einrichtung des Ausländerbeirats gezeigt hatten. Mit dem Gespräch wurde dieses Misstrauen abgebaut und die Weichen für eine spätere Zusammenarbeit gestellt.

Die Kontaktaufnahmen beschränkten sich aber nicht auf Trier. Auch bei regionalen Verbänden wie der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte in Rheinland-Pfalz - AGARP- und der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte bei den kommunalen Spitzenverbänden war der Ausländerbeirat aktiv. Frau Duran Kremer übernahm diesbezüglich den Vorsitz bei der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte im Städtetag und organisierte regelmäßige Kontakte zu Ausländerbeiräten anderer Städte und Gemeinden.

Es zeigten sich Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit mit den regionalen Gremien und eine stärkere Vertretung gemeinsamer Interessen. Der Ausgleich von Erfahrungen stellt trotz der verschiedenen Ausgangspunkte und Gegebenheiten eine Bereicherung dar.

Um einen Beitrag zur interkulturellen Verständigung zu leisten und seiner Aufgabe gerecht zu werden, hat der Ausländerbeirat verschiedene Maßnahmen insbesondere im Bereich der Kultur ergriffen. Hervorzuheben sind hier das Internationale Sportfest und die in seinem ersten Jahr angebotene Vortragsreihe an der Volkshochschule Trier "Fremde Länder - Fremde Kulturen."

Nicht Selbstverwirklichung ist das Ziel des Ausländerbeirats, sondern vielmehr der Beitrag zur Integration der ausländischen Mitbürger und die Förderung von Toleranz und Offenheit der deutschen Bevölkerung.

Regelmäßige Veröffentlichungen in der Presse dienten bislang dazu, die Bevölkerung auf die Tätigkeit und Existenz des Ausländerbeirats aufmerksam zu machen.

Um den ausländischen Mitbürgern eine Orientierungshilfe für Behörden und Verwaltung zu geben, wurde die Erstellung und Herausgabe von Leitfäden durch die Stadtverwaltung in mehreren Sprachen beschlossen. Das Ziel der Erstellung war die Hilfestellung für ausländische Mitbürger bei Behördengängen, so dass sie ihre Interessen eigenständig wahrnehmen können.

Weitere Integrationsmaßnahmen des Ausländerbeirats waren bislang die mittlerweile jährliche Durchführung eines internationalen Fests zur Förderung der Verständigung zwischen Einwohnerinnen und Einwohnern Triers unterschiedlicher Herkunft, die Organisation von wöchentlichem Förderunterricht für ausländische Schulkinder bzw. Intensivkurse in den Ferien in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband für die Region Trier dank der finanziellen Unterstützung durch die Nikolaus-Koch-Stiftung und die Veranstaltung eines internationalen Fußballturniers im Fußballturniers.

Von Bedeutung ist auch der im September des Jahres 2000 ins Leben gerufene Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus, der aus dem kriminalpräventiven Rat der Polizei hervorging. Er soll zu Zivilcourage und Toleranz aufrufen und mit diversen Aktionen über die teilweise schwierigen Lebenslagen der ausländischen Mitbürger aufklären.

Im Arbeitsbereich startete der Ausländerbeirat in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt und der Industrie-Lehr-Werkstatt Trier e.V. im Juli 1995 eine Initiative für eine Ausbildungsmaßnahme in dem Metallberuf Teilezurichter. Ausländischen Arbeitslosen wurde eine Ausbildung in einem Beruf angeboten, für den eine Nachfrage in der Wirtschaft besteht.

Ebenso bot der Ausländerbeirat ab August 1998 in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt und der Handwerkskammer eine Umschulungsmaßnahme zum Hochbaufacharbeiter mit Vorlaufmaßnahme, d.h. praxisbegleitendem Sprachkurs an, die sich an ausländische Arbeitslose richtete.

Nicht zuletzt erkundigte sich der Ausländerbeirat über Möglichkeiten für ausländische Jugendliche innerhalb des neu angebotenen Berufsvorbereitungsjahrs für Ausländer, Aussiedler und Asylanten (BVJA) an der Berufsbildenden Schule für Ernährung , Hauswirtschaft und Sozialpflege.

Derzeit laufende Aktionen zur Integration ausländischer Jugendlicher und Arbeitsloser in den Arbeitsmarkt sind die Mikroprojekte im Rahmen des Programms "Stärken vor Ort" in den Stadtteilen Trier-Nord, Trier-Ehrang und Trier-West, die den Rahmen für einen erfolgreichen Start in das Berufsleben bilden sollen. Die Projekte EQUAL und "Lokales Kapital für soziale Zwecke I/II" sind im Jahr 2005 erfolgreich abgeschlossen worden.

Im März 2009 beschloss der Trierer Stadtrat in Folge eines landesgesetzlichen Regelung die Umbenennung des Ausländerbeirats in "Beirat für Migration und Integration", die nach der Neuwahl des Gremiums im Herbst 2009 offiziell in Kraft treten soll.

Fazit:
Der Beirat für Migration und Integration ist als "Ohr der ausländischen Einwohner" zu sehen. Er vertritt diese gegenüber der Stadtverwaltung, führt Initiativen zur besseren Integration der Ausländer durch und leistet einen Beitrag zur besseren Verständigung.

Daher muss man immer wieder verdeutlichen, dass der Beirat für Migration und Integration nicht für die Lösung von Problemen einzelner, sondern für die Vertretung von Interessen der gesamten ausländischen Bevölkerung gegründet worden ist.

Trotzdem versuchen wir, insbesondere bei Problemen gegenüber Behörden oder Ämtern, dem Einzelnen zu helfen. Dies geschieht aber nicht im Rahmen des Beirats für Migration und Integration, sondern wird von einem Mitglied persönlich übernommen. Moralisch sehen sich die Mitglieder des Gremiums verpflichtet, im Notfall auch in individuellen Angelegenheiten aktiv zu werden. Außerdem ist nicht auszuschließen, dass sich in diesem Problem, das zunächst nur eine Person zu betreffen scheint, doch ein allgemeineres Problem von Ausländern verbirgt.

Insoweit kann dieser Weg zum Beirat für Migration und Integration nur gefördert werden.